
„Ausgrenzung und Scharfmacherei vergiften das Miteinander. Immer weniger Menschen sind bereit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, warnte der Erzbischof in seiner Predigt. Zwar gerate das Christentum öffentlich oft in die Defensive, doch bleibe der gesellschaftliche Auftrag der Kirchen unersetzlich. Es gelte, wieder schärfer zwischen dem missbräuchlichen Handeln Einzelner und der grundlegenden, verbindenden Ethik der Religionen zu unterscheiden. Engagement vor Ort sei dabei ein konkreter Anker für das Miteinander: Wo Menschen aus dem gemeinsamen Glauben heraus zusammenkommen, entfacht dies Hoffnung und gegenseitige Solidarität, die weit über den Moment hinauswirken.
Das Gebot der Nächstenliebe
Der Erzbischof weitete zugleich den Blick auf die globale Verantwortung. Mit Verweis auf seine jüngsten Erfahrungen im Südsudan warnte er vor den Folgen internationaler Mittelkürzungen: „Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber, was es bedeutet, wenn in Europa und Deutschland die Entwicklungshilfe gekürzt wird. In Krisenregionen hat dies radikale Auswirkungen auf Leben und Tod von Menschen.“ Selbst unter extremsten Bedingungen in den dortigen Flüchtlingslagern zeige sich jedoch die gewaltige Kraft des Glaubens, die Menschen Zuversicht schenke.
Diese Haltung gelte es auch hierzulande wieder stärker zu leben. Die Zusage und das Gebot der Nächstenliebe seien keine lästige Pflicht, sondern der zentrale Maßstab für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander.
(mh)
